# 012 | Ausschreibung Wettbewerb ist veröffentlicht

Die Investoren drücken aufs Tempo. Die Verwaltung der Stadt Aachen legt der Bezirksvertretung Mitte und dem Planungsausschuss die Ausschreibung für den Planungswettbewerb vor. Es wird empfohlen der vorgelegten Fassung zuzustimmen.

Partizipation der Anwohner

Durch die Investoren ist am 17.04 eine Informationsveranstaltung zu den Plänen für die Luisenhöfe durchgeführt worden. Es haben dort mehr als 60 Anwohner*innen teilgenommen und die Veranstaltung war von großem Mistrauen der Teilnehmer*innen gegenüber den Plänen Investoren geprägt. Im Rahmen dieser Veranstaltung ist auch ein sog. Workshop veranstaltet worden. Die Ergebnisse dieses Workshops sollten in die Ausschreibung einfließen. Die Dokumentation der Informationsveranstaltung und des Workshops liegen mittlerweile vor. Diese ist sehr durch die Investoren eingefärbt. Vom Moderationsbüro ISR ist die Dokumentation im Nachgang als ‚Ideenschmiede‘ betitelt worden und soll Anlage der Ausschreibung beigefügt werden. Gleichzeitig wird bereits die Ausschreibung von der Verwaltung den Fraktionen für die kommende Sitzung der Bezirksvertretung Mitte am 09.05 und des Planungsausschusses am 17.05 zur Abstimmung vorgelegt worden. Eine wirkliche Partizipation der Anwohner sieht anders aus – eher kann man dies als ‚Partizitainment‘ bezeichnen.

  • Parkhaus

Ausschreibung und ‚Ideenschmiede‘

Nach erster Durchsicht sind einige Anregungen aus den Workshops als weiche Faktoren in die Ausschreibung eingeflossen. Das Wettbewerbsverfahren ist geändert und es wird nach der ersten Phase eine Bürgerinformation durchgeführt. Dennoch ist fraglich, warum der Prozess nun so beschleunigt wird und nicht im Vorlauf die von uns geforderten Leitlinien für eine Ausschreibung oder die Inhalte der Ausschreibung mit den Anwohnern abgestimmt werden. Zunächst wollten wir um Korrekturen in Bezug auf die ‚Ideenschmiede‘ bitten. Da aber die BI  nicht den Prozess der Abstimmung einbezogen worden ist und die Zeit drängt, möchten wir nun um Rückmeldungen zu der Auslobung und der ‚Ideenschmiede‘ über die Kommentarfunktion (am Ende des Beitrages) bitten. Als BI werden wir Mitte der Woche unsere Anmerkungen zusammentragen und formulieren. Es wäre sehr gut, wenn hier viele Kommentare von dem Vorhaben Betroffener mitgenommen werden könnten.

Wertz-Gelände

Zum Schluss möchte ich noch auf einen Artikel in den Aachener Nachrichten vom 27.04 hinweisen. Auch wenn von einem hier angesprochenen kaskadenartigen Weiterverkauf von Grundstücken bisher nicht die Rede ist, kann dies auch schnell für das Areal hier im Blockinneren zutreffen. Es gehört zu einer üblichen Vorgehensweise von Entwicklern Grundstücke mit großen Gewinnmargen weiterzuverkaufen. Letztendlich leidet dann immer die Qualität der Bebauung, da bereits an anderer Stelle Geld, dass in eine qualitätvolle Entwicklung fließen sollte, abgeschöpft worden ist.

Auslobung für den Planungswettbewerb

Vorlage Ratsinfo hier dann Top Ö5 aufrufen

Dokumentation Informationsveranstaltung und Workshop ‚Ideenschmiede‘

3 Antworten auf „# 012 | Ausschreibung Wettbewerb ist veröffentlicht“

  1. Zunächst einmal ist es lobenswert, dass der Planungsausschuss der Stadt Aachen die Investoren zur Auslobung eines Wettbewerbs veranlasst hat. Weniger lobenswert ist die Eile, mit der der Wettbewerb jetzt über das Büro ISR „durchgepeitscht“wird. Das, was ISR bei der Infoveranstaltung im Luisenhospital am 17. April in einem allerhöchstens 45 minütigen Zeitfenster zunächst als Workshop bezeichnet hat, heißt jetzt Ideenschmiede und hat naturgemäß nur ansatzweise das aufnehmen können, was den Anwohnern wichtig ist. Das ist in einem so kurzen Zeitfenster gar nicht möglich. Obwohl die Verwaltung dieses Verfahren hautnah miterlebt hat, empfiehlt sie jetzt dem Planungsausschuss ohne jede Einschränkung , der Auslobung für den städtebaulichen Wettbewerb in der von den Investoren und ISR vorgelegten Fassung zuzustimmen.
    In der Tat enthält diese Fassung einige Anliegen der Anwohnerschaft und ist aus Sicht der Anwohnerschaft ein erheblicher Fortschritt im Rahmen des ganzen Prozesses. Dennoch sind viele der im so genannten Workshop von den Anwohnern geäußerten Anregungen und Vorstellungen von ISR bzw. den Investoren gefärbt oder einseitig wiedergegeben. Unter der Überschrift „Anregungen aus der Nachbarschaft“ ist nicht erwähnt, dass die Anwohner sich strikt gegen eine Erweiterung bzw. Erhöhung des vorhandenen Parkhauses ausgesprochen haben. Falls weitere Stellplätze erforderlich sein sollten, so sollen diese unterirdisch oder außerhalb des Plangebietes, etwa auf dem Gelände des Luisenhospitals angelegt werden. Das würde auch der ursprünglichen Planung des Luisenhospitales entsprechen.
    Es ist auch nicht richtig, dass die Anwohnerschaft der Meinung ist, der Blick ins Grüne und die Trennung von dem sehr belebten Außenraum zum gegensätzlichen ruhigen Innenbereichen als Rückzugsort sollten als „Planungsziele berücksichtigt werden“. Richtig ist, dass die Anwohnerschaft der Meinung ist, sie sollten unbedingt erhalten bleiben.
    Die Anwohnerschaft kann sich im übrigen nicht nur „vereinzelt wohnverträgliches Gewerbe im Quartier gut vorstellen“, sondern sie würde es vor allem in den vorhandenen Gebäuden der ehemaligen Kaldefabrik sehr begrüßen, nicht zuletzt aus städtebaulichen Gründen.
    Auf Seite 24 befindet sich ein Plan der Eigentumsverhältnisse im Plangebietes. Man fragt sich, warum die Zufahrt zum Plangebietes aus Richtung Mariabrunnstraße nicht als Eigentum des Luisenhospitals dargestellt ist oder gehört es jetzt schon der Luisenhöfe GmbH?
    Ich würde es sehr begrüßen, wenn der Planungsausschuss sich noch für eine Berücksichtigung der in meinem Kommentar aufgeführten Punkte in der Ausschussvorlage aussprechen würde.

  2. Folgendes ist mir beim Durchlesen der Auslobung aufgefallen.

    —- Die Grenze des Planungsgebietes (insbesonders Kaldegelände zu angrenzenden Grundstücken) ist in den beigefügten Karten/Luftbild unterschiedlich bzw. nicht eindeutig dargestellt worden (wichtig für die betroffenen Anwohner bzw. Grundstücksbesitzer).

    —- Die verwilderte Grünfläche parallel zum Boxgraben, die von den Anwohnern als erhaltenswertes Biotop für Tiere und Pflanzen gefordert wurde, ist nicht eindeutig in der Ausschreibung ausgegrenzt worden.
    Frage: Hat die Stadt es schon an Landmarken „abgegeben“ oder versprochen? Nur das angrenzende Flurstück Nr. 504 (Eigentum Fam. Oebel) ist in der Auslobung als optionale Flurfläche ausgewiesen und soll als Option in den Bebauungsplänen berücksichtigt werden.

    —- Baumbestand: Wo sind in der Auslobung die als erhaltenswert gekennzeichneten Bäume genau aufgeführt? Ersatzbäume könne wohl kaum die alten, hohen Bäume ersetzen und wieso heißt es in der Auslobung „möglichst“. (In der Auslobung heißt es: „Entfallen durch die Planung ggf. Bäume, die der Baumschutzsatzung unterliegen, sind die Ersatzbäume möglichst im Gelände vorzunehmen.“ Wo sollten sie sonst hin?

    — Höhe und Dichte der Bebauung: Die in der Auslobung angeführte Höhe der Traufkanten der Gebäudeoberkanten sollen „die umgebende Bebauung am Boxgraben und an Südstraße nicht überschreiten“. (Auslobung S. 33) Dies ist zu hoch angesetzt und entspricht nicht den Wünschen der Anwohner des Workshops/ Ideenschmiede, die eine 2 geschossige , ausnahmsweise 3 geschossige Bebauung fordern. Und was soll für die anderen Straßen gelten?
    Weiter heißt es eine „Versiegelung von maximal 50 % der Flächen ist aus Sicht des Fachbereiches Umwelt einzuhalten“. Der Wunsch der Anwohner war eine Bebauung von 33 % und 66% Grünfläche!

    — Parkplätze/ Stellfläche: Bei 21.000 m2 Bruttogrundfläche ist dieser Aspekt in der Auslobung insgesamt ziemlich ungenau gehalten und steht im Gegensatz zu den geäußerten Anregungen/Wünschen der Anwohner- keine Parkplatzvergrößerung, autofreie Zone, keine Parkplätze im Plangebiet, Sorge um noch höherer Verkehrsbelastung … um nur einige aus dem Protokoll der Anwohnerveranstaltung vom 17.4. zu zitieren. Manchmal wird in der Auslobung von „nicht überbauten Tiefgaragen“ (S.34), „Tiefgaragen“ (S. 38) gesprochen oder von „Verkehrserschließung soll von den jeweiligen Wohngbäuden einsehbar sein“ (S. 35). „Die Umgebung des Spielplatztes sollte entsprechend ruhig und verkehrsfrei gestaltet werden“ (S35). Und der Rest der Fläche? Habe ältere, alteingesessene Anwohner kein Recht auf Ruhe? Die Wünsche der jetzigen Anwohner sind hier nicht berücksichtigt. Wie sollen diese Gegensätze gelöst werden? Ist die angesetzte Bebauungsfläche zu hoch?

    — Kaldehöfe: Erhalt und Umnutzung der Kaldehöfe ist nicht mehr in der Ausschreibung erwähnt! Der Schwarzplan im Plangebiet (Auslobung S. 4)zeigt deutlich wie gering „größere“ Grünflächen im Aachener Innenstadtbereich sind. Für mich ist es unverständlich, dass diese seltene grüne Oase in Aachen zugebaut wird und Verantwortliche in der Stadt das nicht verhindern. In einer Veröffentlichung im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2018 heißt es u.a. zum ausgezeichneten Engagement Aachens „Zur Steigerung der Lebensqualität werden zudem ehemalige Gewerbeflächen revitalisiert, Grünflächen gepflegt und vielfältige Freizeitaktivitäten sowie gesundheitliche Förderungen angeboten.“

    Bei einer Bebauung des Blockinnenbereiches werden den Anwohnern jahrelang Baulärm zugemutet und vor allem den Anwohnern des stark befahrenen Boxgrabens “ mit kritischer Luftschadstoffbelastung“ (Zitat Auslobung) die grüne, ruhige Hinterseite genommen. Wo kann hier der vom Auslober geforderte Mehrwert für „Alle“ sein?

    —Vorlage für die Bezirksvertretung am 9.5.2018: In den Anhängen der Stadt Aachen für die Vorlage fehlt mir das Protokoll der Anwohnerverantaltung, jetzt „Ideenschmiede“ genannt. Die Mitglieder der Bezirksvertretung Aachen -Mitte sollten über die Interessen der Anwohner informiert sein. Das gleiche gilt für die Auslobung, obwohl hier ein Anhang über das Protokoll der „Ideenschmiede“ wenigstens erwähnt ist.

    Fazit: Insgesamt bin ich entsetzt über die Inhalte der Auslobung und denke mit Sorgen an die Zukunft der Anwohner insbesonders am Boxgraben und den anderen betroffenen Straßen.

    Mit freundlichen Grüßen
    I. Lehmann

  3. Wer zahlt entscheidet,
    35000€ werden für die ersten 3 Sieger des Wettbewerbes vom Investor geboten. Neben den weichen Fakten der Auslobung wird die Brutto Geschoßfläche BGF mit 21000 qm von den Planungsbeteiligten als Limit festgelegt.
    Die Möglichkeiten alte Strukturen, Kalde Gelände zu erhalten wird nicht mehr in Erwägung gezogen.
    Die Erweiterung des Luisen Parkhauses und damit vorzug von Parkfläche vor Wohnfläche wird nicht ausgeschlossen.
    Ich finde, dass die Stadt hier einseitig zu gunsten der Verdichtung die Bürgerinteressen vertritt.

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