# 011 | Partizipation der Anwohner

Der Förderverein Aachen Fenster organisiert zum Thema Nachverdichtung am kommenden Dienstag im Haus Löwenstein am Markt ab 18:30 eine Veranstaltung mit dem Titel: Umbau ohne Überbau? – Wohnbedürfnisse und Dichte in der Stadt – eine komplizierte Wechselbeziehung. Dies ist der Titel des Einführungsvortrags von Dr. Robert Kaltenbrunner, Leiter der Abteilung ‚Bau- und Wohnungswesen‘ im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Nach dem Vortrag sollen die Ausführungen von Herrn Kaltenbrunner auf das Projekt Luisenhöfe heruntergebrochen werden. Hierzu sind neben dem Referenten Niels-Christian Schaffert, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen bei der Stadt Aachen, Prof. Karin Damrau, Mitglied im Architektenbeirat Aachen, Ralf Wetzler von der Luisenhöfe GmbH und ich selbst, Karsten Schellmat, als einer der Vertreter der Bürgerinitiative Luisenhöfe zur Diskussion eingeladen. Themenschwerpunkt der Diskussion sollen Verdichtungsstrategien in einem komplexen Umfeld sein. Hierzu gehören neben ökonomischen und ökologischen Strategien auch die sozialen Entwicklungspotentiale des Quartiers. Um diese Potentiale im Besonderen sichtbar zu machen ist neben einer guten Grundlagenermittlung eine wirkliche Partizipation der Anwohner erforderlich.

Infoveranstaltung der Luisenhöfe GmbH

Die Infoveranstaltung der Investoren sollte laut Ankündigung eine Beteiligung der Anwohner an den Planungen gewährleisten. Hierzu hat sich das moderierende Büro ISR Workshops vorgestellt, in denen die Anwohner ihre Vorstellungen zum Viertel und dessen zukünftiger Entwicklung äußern durften. Gleichzeitig wurde aber mitgeteilt, dass die Ausschreibung für den vorgesehenen städtebaulichen Wettbewerb kurzfristig, so wie sich der Moderator ausdrückte – finalisiert – werden soll. Ebenso soll der städtebauliche Wettbewerb inklusiv des organisatorischen Vorlaufs bereits am 04.09.2018 entschieden – also ein Ergebnis gefunden werden. In welcher Form und mit welcher Relevanz die von den Anwohnern geäußerten Vorstellungen und Bedenken in den Wettbewerb einfließen, ist nicht erläutert worden. Eine Information der Anwohner hierzu ist nicht vorgesehen.

Grüner Innenhof soll überbaut werden

Partizipatorischer Prozess

Um alle Beteiligten im Prozess kooperativ einzubinden, ist es erforderlich alle Schritte transparent zu dokumentieren. Zunächst ist es aber erforderlich gemeinsam Leitlinien und Zielvorstellungen für eine Entwicklung des Blocks zu erarbeiten und als weiteres Handlungsgerüst zu verabschieden. Hieran kann man sich im weiteren Prozess entlang bewegen und immer wieder überprüfen, ob dies noch den Ausgangsüberlegungen entspricht. Warum nun mit dem städtebaulichen Wettbewerb sofort Schritt 3 gemacht wird und Schritt 1 (Entwicklung der Leitlinien) und 2 (Ideenwettbewerb) übersprungen werden, ist nicht nachvollziehbar.

Reset des Planungsprozesses

Durch die Investoren ist nach massiver Kritik aus dem Plenum am vorangegangen Planungsprozess (dreimal wurden ausgearbeitete Entwürfe im Planungsausschuss abgelehnt) beteuert worden, dass nun eine Reset des Planungsprozesses erfolgen soll. Neben einer logischen Herangehensweise an den Entwicklungs- und Planungsprozess, ist dies aber während der Veranstaltung selbst immer wieder fraglich gewesen.

  • Die Frage, welche Grundstücke sich im Besitz der Investoren befinden ist erst auf mehrmaliges und intensives Nachfragen beantwortet worden.
  • Die Grenze des Planungsgebiets war falsch bzw. zu groß dargestellt. Man wählt eine grüne Begrenzung des Planungsgebiets auf grünem Grund.
  • Die Frage nach einer aus Sicht der Investoren erforderlichen Wohnfläche ist überhaupt nicht beantwortet worden.
  • Die Frage nach dem vorgesehenen prozentualen Anteil der Versiegelung ist nicht beantwortet worden.
  • Der angedachte Zugang zum Entwicklungsgebiet ist nicht im Besitz der Luisenhöfe GmbH. Auch dies musste erst erfragt werden. Zudem handelt es sich bei dieser Fläche, um eine sog. Ausgleichsfläche. Das heißt, hier sind Bäume gepflanzt worden, welche als Ersatz für andere Baumfällungen erfolgt sind. Die dort gepflanzten Bäume sind ebenso mit dem Ziel gepflanzt worden, die Lichtimissionen aus dem Parkhaus zu mindern.
  • Das Areal ist als eine Entwicklungsfläche für Wohnungsbau bezeichnet worden. Bisher besteht für das Areal kein Baurecht. Im zurzeit veröffentlichten Flächennutzungsplan sind alle nicht versiegelten Flächen des Blocks als Grünflächen vorgesehen.
  • Die Anwohner sollen mit der Benennung von Preisrichtern in einen Prozess involviert werden, welcher mit den Grundsätzen einer echten Partizipation  nicht gut zu vereinen ist.

(siehe auch Mitschrift der Veranstaltung)

Partizipation der Anwohner

Die o.g. Punkte lassen verständlicherweise Zweifel an einem wirklichen Reset aufkommen. Verspieltes Vertrauen ist  leider nicht wiederaufgebaut worden. Wir haben bereits mehrfach auf den Prozess der Beteiligung im Zusammenhang mit der Entwicklung des Helios Areals hingewiesen. Aus diesem Grund nochmals der Apell das Areal zusammen mit den Anwohnern zu entwickeln. Der Verlauf der Informationsveranstaltung der Luisenhöfe GmbH sollte dies widerspiegeln.

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