Urbane Vielfalt

Das sog. Kaldegelände im Zentrum der Planungen zu den Luisenhöfen könnte das Herzstück des Projekts werden. Die vorhandenen Büros und Hallen besitzen schon in Ihrer jetzigen Form eine Ausstrahlung, wie sie in der Stadt kaum noch zu finden ist. Ganz zu schweigen von der Atmosphäre, die der Hof an sich besitzt. Diesen Bestand einer neuen Bebauung mit alleiniger Wohnnutzung zu opfern, wäre eine vertane Chance für die Stadt. Vielmehr würde eine urbane Vielfalt aus gemischtem neuem Wohnen und Arbeiten im Bestand das Quartier stärken. Mit der Weiternutzung des Areals kann ein identitätsstiftender Ort für die zukünftigen Nutzer und die Bewohner geschaffen werden. Eine Vernetzung in das Quartier stärkt diese Qualität selbst noch. Der Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs nimmt die Fluchten der jetzigen Bebauung auf. Eine Weiternutzung des Kaldeareal wäre mit dem städtebaulichen Entwurf von Hector 3 durchaus zu vereinbaren.

Kaldegelände

Resilienz der Stadt

Die sog. europäische Stadt steht für eine langlebige und robuste Entwicklung der Stadt. Diese Stadtstrukturen können sehr unterschiedliche Nutzungen aufnehmen und lassen urbane Vielfalt vor allem in Bezug auf Verbindung von Arbeiten und Wohnen entstehen. Durch Weiternutzung und eine vorsichtige Weiterentwicklung des Kaldegelände (Chronik des Südstraßen-Viertel S. 119) ergeben sich neue Entwicklungsperspektiven für den Block. Ergänzend sollten soziale und kulturelle Einrichtungen, wie etwa ein Stadteilzentrum, hinzukommen, um die ganze Bandbreite des städtischen Lebens zu etablieren. Auch der geplante Kindergarten ist in der Bestandsstruktur gut unterzubringen. Gute Beispiele für urbane Nachbarschaften sind die KoFabrik in Bochum sowie weitere von der Montag Stiftung Urbane Räume unterstützte Projekte.

Abriss des Kaldegeländes

Der Mietvertrag des jetzigen Mieters endet nach unseren Informationen im Frühjahr des nächsten Jahres. Ob und wie die Gebäude nach dem Auszug des jetzigen Mieters weiter genutzt werden, ist nicht bekannt. Deshalb ist ein baldiger Abriss des Kaldegeländes, um Tatsachen zu schaffen, durchaus möglich.

Städtische Brachflächen

Im Stadtgebiet Aachen gibt es unschöne Brachgelände, welche nach einem Abriss der bestehenden Gebäude ein wenig ansehnliches Dasein führen.  In der Vergangenheit war dies die langjährige Brache des Aquis Plaza.  An der Ecke Joseph-Görres-Straße | Stolberger Straße harrt das ehemalige Wertz Gelände seit Jahren einer neuen Nutzung. Aktuell zeigt sich mit der Brachfläche am Hauptbahnhof ebenso die Kehrseite eines überhasteten Abriss, lange bevor die eigentlichen Bauarbeiten beginnen.

Abbruchbrache am Hauptbahnhof

Chance für die Stadtentwicklung

Stadtentwicklung muss wieder langfristig und strategisch geschehen. Bestehende Qualitäten wie das Kaldegelände müssen als Ausgangspunkt für Stadtentwicklung begriffen werden. Es darf nicht allein der kurzfristigen und Rendite orientierten Flächenoptimierung der Investoren Rechnung getragen werden.  Arbeiten muss nicht mehr streng getrennt vom städtischen Wohnen stattfinden. Die sog. urbane Produktion bietet alle Chancen einer Funktionsmischung. Heutige Produktionsmethoden erzeugen lange nicht mehr so viel Emissionen wie in der Vergangenheit und können gut mit Wohnen gemischt werden. Gemischt genutzte Stadtviertel sind lebendiger und auch widerstandfähiger gegen äußere Einflüsse.

Von kleinen Handwerksbetrieben bis zu Start-ups aus den Hochschulen kann hier eine ganze Bandbreite an gewerblichen Nutzungen ihre Heimat finden. Die FH Design mit Ihrer direkten Nähe zum Gelände wäre hier sicher der erste Ansprechpartner. Dies auch vor allem in Zusammenhang mit der anstehenden Sanierung des Gebäudes am Boxgraben. Hinzu kommt, dass eine solche Quartiersentwicklung ein optimaler Baustein für die Stadt der kurzen Wege ist.

Nach derzeitigem Stand der Projektentwicklung Luisenhöfe wird das letzte innerstädtische Gewerbegebiet verschwinden. Ein Abriss des Kaldegeländes würde die große Chance auf eine Entwicklung eines lebendigen Quartiers zunichtemachen und die Möglichkeit zerstören, Stadt neu zu denken.

Eine Antwort auf „Urbane Vielfalt“

  1. Alte weitergenutzt Bebauung gibt einem Neubaugebiet eine „Seele“, ein ganz eigenes Flair. Vor allem wenn sich mehrere kleine Firmen, welcher Art auch immer ansiedeln. Deshalb ist auch die Bebauung des Kaldegeländes absolut schützenswert um drumherum lebendiges Wohnen zu ermöglichen, gerade im Südviertel mit ihrer besonderen Bewohnergemeinschaft.

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