Podiumdiskussion Klimanotstand nachgefragt

Am 08.06.2020 fand die Podiumsdiskussion Klimanotstand nachgefragt organisiert von bischöflichen Akademie zusammen der mit der Evangelischen Erwachsenenbildung statt. Zwischenzeitlich nahmen bis zu 120 Teilnehmer an der Onlinediskussion teil.

BI als einer der Vertreter des Runden Tisches mit auf dem Podium

Als BI haben wir uns stark in die Arbeit des Runden Tisches eingebracht und hierbei unsere Erfahrungen aus der Arbeit in der Initiative als auch unsere eigenen fachlichen Erfahrungen eingebracht. Als Vertreter des Runden Tisches habe ich, Karsten Schellmat, mit auf dem virtuellen Podium gesessen. Fälschlicherweise bin ich in der Berichterstattung der AZ/AN als Bauingenieur bezeichnet worden. Ich bin Architekt sowie ausgebildeter Nachhaltigkeitskoordinator.

Suffizienz

Mein Schwerpunkt dort war die Strategie der Suffizienz – die Frage danach was ist wirklich erforderlich. Die COVID 19 Krise hat uns gerade deutlich vor Augen geführt, welche Dinge und Funktionen extrem wichtig für den Funktionieren und den Zusammenhalt der Gesellschaft sind und für welche Güter eigentlich nur ein künstlicher Bedarf kreirt wird. Dies könnte ein positiver Lerneffekt aus dieser Krise werden.

Die Aachener Nachrichten stellen diese Strategie als

Maßnahmen (im Baubereich), die konsensfähig sind und große Potentiale zur CO2-Einsparung bieten. Zumal diese kostenneutral umsetzbar sein sollen, da sie sich durch Einsparungen im Energieverbrauch bezahlt machen.

dar.

Hier muss man leider einschränken, dass ein Verzicht auf unnötigen Konsum leider noch nicht konsensfähig ist, aber während der Corona Pandemie haben viele Menschen gemerkt, dass ein Verzicht auf ungebremsten Konsum gar nicht so schwer fällt. Dies kann ein Anfang sein.

Suffizienz beim Bauen

Im Bereich des Bauens bedeutet Suffizienz in der Hauptsache das Weiternutzen, Um- und Weiterbauen von Gebäuden. Die Ressourcen, welche in einem Bestandsgebäude stecken müssen nicht wie bei einem Neubau erneut gehoben, verarbeitet und Materialien bzw. Bauteile eingebaut werden. Die sog. graue Energie, welche Herstellung von Gebäuden benötigt wird, muss kein zweites Mal aufgewendet werden. Betrachtet man also den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden ist ein Neubau – und sei er noch so energeieffizient – in seiner Energiebilanz erst deutlich später engeieffizient, als bei bei einer reinen Gegenüberstellung der Betriebsenergiekosten. Ganz. abgesehen von dem im Bestand eingelagerten CO2, welches bei einem Neubau erneut freigesetzt wird.

Suffizienz beim Wohnen

Beim Wohnen verhält es sich ähnlich. Die Anzahl von Wohnungen pro Kopf ist in Aachen sogar gestiegen. Man glaubt es kaum, aber es ist eben auch der m² Anteil pro Kopf erheblich gestiegen. Hinzu kommt, dass keine Projekte für gemeinschaftliches Wohnen gebaut werden (gemeinschaftliche Nutzung von Flächen). Stattdessen wird Wohnraum für das obere Segment als Investitionsobjekt geschaffen, welcher nicht dem wirklichen Bedarf entspricht. In diesem Segment ist der Anteil der m² pro Bewohner nochmals um ein Vielfaches höher als normal.

Suffizienz als Lösungsansatz

Suffizienz behandelt das Problem an der Wurzel und nicht die Symptome. Es wird also zunächst der Bedarf überprüft, bevor aus reinen Investitionsüberlegungen ein Neubau erstellt wird. Selbstverständlich muss immer gut abgewogen werden, ob ein Altbau noch weitergenutzt werden kann. Aber wir müssen weg von der reinen Investitions- und Ernergieeffizienzsicht, da diese Strategien nicht dazu geführt haben, dass wir alle im ganzheitlichen Sinne nachhaltigen Gebäuden wohnen und arbeiten.

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