Wettbewerb für Wohnbebauung Sophien- und Charlottenstrasse

Im Blockinnern des Areals der alten Tuchfabrik im Bereich der Sophien- und Charlottenstrasse soll gebaut werden. Gebäudeteile der `Tuchfabrik Aachen´, vormals Süskind und Sternau AG, sind länger von dem Tanzsportclub TSC Schwarz-Gelb Aachen genutzt worden. Nach deren Auszug liegt das Gelände nun brach. Der Planungsausschuss hat sich jetzt für die Entwicklung „eines gemischten Quartiers mit Wohnen und Gewerbe im Blockinnenbereich“ und der Durchführung eines Wettbewerbs ausgesprochen.

Zunächst sollte ein vohabenbezogener Bebauungsplan erstellt werden. Jetzt aber wird ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Zudem spricht sich der Planungsausschuss für eine maßvolle Bebauung aus. Absicht der Investoren ist es einen städtebaulichen Wettbewerb durchzuführen. Der Planungsausschuss hat sich laut AN vorbehalten zwei Mitlieder der Jury zu benennen. Beide Wettbewerbsverfahren, erst Städtebau und dann Architektur, lassen auf eine qualitätvolle Umsetzung des Projekts hoffen.

Hierbei ist insbesondere zu erwähnen, dass die vorhandene Fabrikarchitektur erhalten bleiben und auch zukünftig einer Gewerbenutzung dienen soll.

Das Areal Tuchfabrik hat große Analogien zu unserem Block. Auch hier gibt es eine erhaltenswerte Gewerbebebauung (Kalde Gelände S. 114 /115), welche in die Gesamtentwicklung einbezogen werden sollte. Eine Mischung von Funktionen ist sehr wichtig für den Block. Die Trennung von Funktionen ist eine überholte Strategie der Stadtplanung aus den 1960´er Jahren. Der geplante Abriss des Kalde Geländes und der Ersatz durch eine reine Wohnbebauung würde einer Mischung von Funktionen widersprechen. Eine Chance für eine nachhaltige Entwicklung des Blocks würde vergeben werden.

Wie für das Areal Tuchfabrik gefordert, ist eine maßvolle Bebauung auch für den Block Boxgraben | Südstrasse | Reumontstrasse | Mariabrunnstrasse unbedingt erforderlich. Hier geht es neben der Erhaltung des Kalde Geländes vor allem auch um den Schutz des verwilderten Grundstücks als Stadtoase für die Fauna und Flora im Block. Analog zum Schwedenpark braucht die Tierwelt  diesen Rückzugsort im Block. Deshalb sind rücksichtvolle und gezielte Eingriffe absolut erforderlich.

Der angestrebte Wettbewerb für das Areal Tuchfabrik Aachen unter Beteiligung des Planungsausschusses kann eine qualitativ hochwertige Architektur zu Tage fördern. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass zu mindestens auf fachlicher Ebene noch andere Aspekte als alleinig der Verkaufswert der neuen Immobilien eine Rolle spielen. Auch wird auf diese Weise, wenn das Ergebnis des Wettbewerbs öffentlich gemacht wird, nicht alles festgelegt ohne dass die Nachbarschaft informiert wird. Ob es dann noch Möglichkeiten der Einflussnahme der Nachbarschaft gibt, wird eine große Frage bleiben.

Deshalb ist aber wichtig schon Mitsprache bei der Festlegung des Programms eines möglichen Wettbewerbs zu erhalten. Dies gilt sowohl für das Areal Tuchfabrik Aachen als auch für die Luisenhöfe. Sollte, wie bei den bisher präsentierten Machbarkeitsstudien für die Luisenhöfe, der große Schwerpunkt auf dem betreuten Wohnen liegen, steht hier zu befürchten, dass es zu einer einseitigen Nutzung kommt. Wohnen im Alter bedeutet nicht separiert nur unter Menschen in der gleichen Lebensphase zu wohnen. Zudem steht die Frage im Raum: wer wird sich dieses Servicewohnen leisten können. Als ein zweifelhaftes Projekt hat hier die Bebauung Barbarossapark an der Poststraße vor einigen Jahren für Aufsehen gesorgt. Wohnen im Alter kann und soll, soweit die baulichen Voraussetzungen geschaffen sind, in einer ganz normalen Wohnungsumgebung stattfinden. Gemischte Viertel und Wohngebäude schaffen Raum für vitale Quartiere –  Monostrukturen müssen verhindert werden.

Die Initiative Luisenhöfe steht einer nachhaltigen und offenen, auf die Gegebenheiten des Blocks Rücksicht nehmenden Ergänzung des Blockinneren nicht ablehnend gegenüber. Die Nachbarschaft will aber gehört werden und konstruktiv an der Weiterentwicklung des Blockinneren beteiligt werden. Schließlich leben hier viele Menschen schon seit einem geraumen Zeitraum, identifizieren sich mit dem Block und finden es mehr als erschreckend möglicherweise vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

AN online Artikel vom 11.11.2017 Im Areal derAachener Tuchfabrik sollen Wohnungen gebaut werden

Weitersagen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.