Wir sind fassungslos

Die Pläne für Bebauung sind veröffentlicht (links sind hier zu finden). Geändert hat sich kaum etwas, außer dass alles ein wenig höher geworden ist. Im Januar oder ggf. schon vor Weihnachten beginnt die Offenlage und die Bürgerbeteiligung. Die Beschlüsse zum Beginn des Verfahrens werden bereits in der nächsten Woche erfolgen (06.12 Umweltausschuss / 07.12 Bezirksvertretung Mitte – nur hier darf man das Wort ergreifen / 08.12 Planungsausschuss) gefasst.

Bauen in Zeiten der Klima- und Ressourcenkrise

Angesichts der dieser Krisen ist es uns unverständlich, dass hier ein Projekt – man muss sagen – durchgezogen wird, was unter ganz anderen Vorzeichen entwickelt worden ist. Die Entwickler*innen dieses Projektes haben dies immer noch imer nicht erkannt und wollen – ein Weiter so.

Dass Investoren sich hier nicht neu positionieren und alleinig Greenwashing betreiben (ein Quartier für Grünstadtmenschen) ist ja nicht weiter verwunderlich. Stadt und Politik muss aber ihre / seine Bürger schützen und die Stadt auf zukünftige Auswirkungen des Klimawandels ausrichten. Alte Zusagen der vorangegangenen Koalitionen im Stadtrat – und hierauf wird sich berufen – können vor diesem Hintergrund keine Gültigkeit mehr besitzen. Auch wenn wir uns wiederholen, hier noch einmal die konkreten Themen, welche unbedingt in der Planung beachtet werden müssen.

  • Es sollen 47 Bäume für dieses Vorhaben gefällt werden > die Stadt wird immer heißer und wir leisten uns es wirklich so viele innerstädtische Bäume zu vernichten.
  • Die neue Baumasse und die Fällung der Bäume werden eine Verschlechterung für die Gesundheit der Anwohner bedeuten > Hitzeereignisse, Feinstaub und mentale Gesundheit.
  • Es sind keinerlei Maßnahmen zur Abpufferung von Starkregenereignissen vorgesehen > das Prinzip der Schwammstadt scheint ein Fremdwort zu sein.
  • Neue Stellplätze kreieren neue Verkehrsströme > Die Chance für ein wirklich autofreies Quartier wird komplett vertan.
  • Das Bauen und Betreiben von Gebäuden ist für ca. 38% der C02 Emissionen verantwortlich > Diese entstehen bei Neubauten zu 50% bei der Herstellung der Materialien.
  • Das Bauen von Gebäuden nimmt ca. 50% des Ressourcenverbrauchs ein > Es gibt keine Aussage zu einer nachhaltigen Bauweise
  • Das Bauen ist für 53% der Abfallströme verantwortlich > Ein sinnvoller Umgang mit Bestand (Kalde-Gelände) steht nicht mehr zur Debatte.
  • Mit einem Anteil von 30% (aktuell sogar 36%) sozialem Wohnungsbau wird am Bedarf vorbeigebaut > Dieser Anteil hilft nicht denen, die wirklich eine Wohnung brauchen.
  • Den Grundrissen nach zu urteilen wird ein großer Anteil der freifinanzierten Wohnungen für die sog. silberne Genration – betreutes Wohnen – gebaut. Es könnten aber Mikroapartments sein. > Beide Wohnformen sind höchst lukrativ zu verkaufen und bilden in diesem Verhältnis nicht den Bedarf ab.

Aussagen aus der Vorlage der Verwaltung

Die Beschlussvorlage der Verwaltung macht keine Aussagen Klimaschutz im Allgemeinen. Die globalen CO2 Emissionen werden nicht ermittelt. Ebenso wird nicht quantifiziert, welche Auswirkungen das Vorhaben auf die Klimafolgen (lokale Auswirkungen) hat. Siehe Titelbild.

Des Weiteren wird nicht ermittelt, ob durch das Vorhaben C02 Emissionen eingespart, erhöht oder kompensiert werden.

Für uns sind dies Mindestaussagen, welche im Rahmen eines solchen Projektes getroffen werden müssen. Daneben müssen aber auch Untersuchungen zur Biodiversität (Boxgrün sowie Fällung der Bäume), Kaltluftentstehung und -ströme, Auswirkungen des erhöhten Autoverkehrs…durchgeführt werden. Auch hierzu gibt es im sogenannten Klimacheck der Stadt Aachen keine Festlegungen (Anlage 9 S.12/13). Grundsätzlich betrachtet aber Klimacheck nur die neue Maßnahme und nicht die Qualitäten, die verloren gehen.

Auszug aus dem Klimacheck

Gutachten

In einem sog. vorhabenbezogenen Bebauungsplan ist nur ein Umweltbericht anstatt Umweltverträglichkeitsprüfung gefordert. Bei einem Umweltbericht können der Untersuchungsumfang und -tiefe von der Kommune beeinflusst werden. Wie sich die Stadt hier positioniert hat, ist uns nicht bekannt, da der Umweltbericht bisher nicht vorliegt. Angesichts der fehlenden Aussagen in den Vorlagen der Verwaltung gehen wir davon aus, dass die vorgenannten Gutachten, welche auch im Rahmen eines Umweltberichts erarbeitet werden, nicht erstellt worden sind.

Wir fordern die umgehende Offenlage aller Unterlagen, damit die Möglichkeit besteht entsprechenden Sachverstand hinzuzuziehen. Die entsprechenden Gutachten sind unabhängig zu erstellen. Eine Abwägung durch die Fachämter halten wir nicht für ausreichend. Transparenz im Prozess war bisher nicht ausreichend vorhanden. Dies muss sich jetzt unbedingt ändern.

Die gesamte Entwicklung des Projekts hinterlässt uns völlig rat- und fassungslos.

Die große Chance für ein wirklich nachhaltiges Quartier wird komplett aus der Hand gegeben. So erreichen wir die für Aachen beschlossenen Ziele des Klimanotstands und des Klimaentscheids defintiv nicht.

Aachener Umwelt Rundbrief

Das Ökologie-Zentrum Aachen e.V. titelt im 89. Umwelt Rundbrief: Luisenhöfe Aachen – zunkunftsorientiert? Es werden hier viele Aspekte angesprochen, die wir als ebenfalls als Initiative in der bisherigen Projektentwicklung bemängeln. Der Fokus des Ökologie-Zentrum liegt selbstverständlich auf den Umweltaspekten des Projektes. Insbesondere der Erhalt bestehender Grünstrukturen wird in diesem Beitrag thematisiert.

Baumfällungen

Neben dem Fokus auf dem Boxpark und dem Anliegen des OeViAc e.V. hier einen urbanen Wald entstehen zu lassen (in den folgenden 8 Tage kann immer noch für Boxgrün 30/30 jeden Tag und von jedem Endgerät abgestimmt werden), wird in diesem Bericht auch noch einmal deutlich herausgearbeitet, dass für die Luisenhöfe rund 35 Bäume gefällt (siehe Plan im Artikel) werden müssen. Dies ist im Zusammenhang mit der immer stärker zunehmenden Aufheizung der Städte der falsche Weg. Ein Konzept zur Kompensation dieser Baumfällungen ist bisher nicht bekannt. Zudem werden die Nachpflanzungen sicher 20-30 Jahre brauchen, um das gleiche Grünvolumen zu entwickeln.

Alles weitere im 89. Aachener Umwelt Rundbrief.